"Die Welt braucht Gottes heilendes Wort"

 

– Gedanken einer Pädagogin über Offenbarungsweisheit und Lebensqualität –

 

Camille Bishop im Interview mit Rolf-Dieter Braun über ihre Beobachtungen und Gedanken zu der Frage: Was kann man über den Zusammenhang von Bibel und Lebensqualität, von christlichen Werten und Lebenstüchtigkeit sagen?

Dr. Camille Bishop unterrichtet regelmäßig im Rahmen des Kurses „Schule für Biblisch Christliche Weltanschauung“ (SBCW) von Jugend mit einer Mission Hurlach. Die Pädagogik-Dozentin, die auch in der Hochschulplanung arbeitet, war in diesem Rahmen bereits in mehr als 50 Ländern tätig, lernte vor Ort Pädagogen, Politiker und Entwicklungshelfer kennen – und auch die jeweils aktuellen Brennpunkt-Themen.

 

 

Haben Kulturen, die jahrhundertelang von der Bibel geprägt wurden, Vorteile gegenüber anderen Kulturen?

Bishop: Auf alle Fälle! Und obwohl viele „westliche“ Länder eigentlich schon in einer nachchristlichen Phase leben, gilt das auch jetzt noch für sie. Biblisches Denken ist vor allem für diejenigen gesellschaftlichen Bereiche, die mit Gerechtigkeit und Recht zusammenhängen, wichtig: Die Gesetzgebung der christlich geprägten Länder reflektiert bis heute an vielen Stellen die Werte, die von der biblischen Offenbarung vorgegeben werden. Diese Orientierung an der Bibel ist besonders in Ländern festzustellen, wo die Reformation dies betont hatte.

Wenn man dagegen in Russland oder anderen osteuropäischen Ländern, die lange Zeit vom Kommunismus geprägt wurden, die Bemühungen um Demokratie analysiert, stellt man fest: Demokratie wird zwar von vielen Menschen gewünscht, aber oft kennen sie die grundlegenden Werte gar nicht, die dafür erforderlich sind. Doch wie will man demokratische Verhältnisse schaffen, wenn es zum Beispiel keinen Konsens darüber gibt, was den Wert des Menschen ausmacht? Das ist für die Frage der Menschenrechte ja sehr wichtig.

 

Wo wirkt sich die Abwendung von Gott und seinem Offenbarungswort in der Gesellschaft negativ aus?

Bishop: Bei uns in den USA kann man eine Zunahme von destruktiven Verhaltensweisen bei jungen Leuten beobachten. Wenn Schüler mit Waffen in ihrer Schule Unheil anrichten, ist das natürlich ein Extremfall. Aber man kann durchaus sagen, dass bei erstaunlich vielen jungen Leuten Verhaltensstörungen zu erkennen sind.

Ich sehe das im Zusammenhang mit der Situation in den Familien. Und hier ist die Lage wirklich ernst, weil es da neue verunsichernde Tendenzen gibt: Die Frage, was man überhaupt unter Familie versteht, wird jetzt diskutiert – und die Antworten werden dabei dem Belieben des Einzelnen überlassen. Hier bahnt sich eine ganz neue Definition von Familie an, die auch den vielen sogenannten Patchwork-Familien und anderen Partner-Konstellationen gerecht werden will, wenn etwa Kinder bei einem homosexuellen Paar aufwachsen und in dieser Situation erzogen und geprägt werden.

Gottes Konzept vom Aufwachsen und vom Leben in einer Familie wird hier eindeutig aufgegeben. Welche Folgen das haben wird, lässt sich kaum vorhersagen; es ist aber mit Sicherheit keine Entwicklung, die den Kindern guttun wird. Bisher lässt sich nur belegen, wie schlimm sich die Zunahme der Scheidungen ausgewirkt hat, die es in der Vergangenheit gab und die in vielen Fällen dazu geführt hat, dass den Kindern ihre Väter fehlen.

 

Was kann getan werden, damit sich die Gesellschaft von den Folgen solcher Entwicklungen erholt?

Bishop: Ganz einfach: Wir müssen die Ehen stärken und das Verständnis für die Bedeutung der Familie verbessern. Es stimmt schon, dass die Familie die Grundeinheit der Gesellschaft ist, weil man dort soziales Verhalten lernt. In der Wirklichkeit sehen wir aber so viele kaputte Familien. Wenn die Ursachen nicht behoben werden, kann man so viele Therapeuten ausbilden, wie man will – man wird die Situation nicht in den Griff bekommen.

Nach der Finanzmarktkrise hat sich berechtigte Selbstkritik ausgebreitet: Was machen wir eigentlich mit unserem Geld? Und plötzlich hat man sich auf Prinzipien besonnen, die vorher als altmodisch galten: Wir sollten nicht mehr Geld ausgeben, als wir tatsächlich haben! Eine ähnliche Rückbesinnung ist auch im Hinblick auf die Familie nötig: Auch hier wurden bewährte und realitätsbezogene Prinzipien aufgegeben. Die Werte, die nötig sind, damit Kinder gesund aufwachsen und zu reifen Persönlichkeiten werden können, wurden ignoriert. Man hat die Tatsache außer Acht gelassen, dass Kinder für eine solide Entwicklung einen Vater und eine Mutter brauchen. Inzwischen wissen die Experten auch wieder: Kinder können sich nur dann gut entwickeln, wenn sie auch Grenzen gesetzt bekommen.

Wir beobachten allerdings, dass trotz dieser Erkenntnisse weiterhin vom Staat Druck auf die Familien ausgeübt wird, die Kinder so früh wie möglich in Kinderkrippen und anderen Einrichtungen abzugeben. Aber so können die massiven Probleme, die wir haben, nicht gelöst werden. Stattdessen müssen die Rechte der Familie gestärkt werden: Erziehung und Bildung sind primär Aufgaben der Familie. Natürlich kann diese sie an andere – zum Beispiel an Schulen – delegieren; aber im Prinzip haben hier immer die Eltern das Recht, die Entscheidungen zu treffen.

 

Können Christen ihren Kindern eine bessere Grundlage für das Leben mitgeben, weil sie von der Bibel her besser über die eigentlichen Zusammenhänge im Leben Bescheid wissen?

Bishop: Ja, ich glaube, dass Christen es da leichter haben. Sogar dann, wenn sie diese Wertevermittlung gar nicht reflektieren, wirkt sie sich aus und gibt eine gute Grundlage für die Lebenstüchtigkeit der Kinder. Natürlich ist dies keine Formel, die automatisch funktioniert. Wir müssen ja berücksichtigen, dass jeder Mensch seine eigenen Entscheidungen trifft und seinen eigenen Weg geht. Aber ich bin überzeugt: Wer als Kind Gottes Weisheit für den Umgang mit anderen Menschen lernt, die in der biblischen Offenbarung zu finden ist, hat viel bessere Chancen, sein Leben und seine Beziehungen erfolgreich zu gestalten.

 

Brauchen wir so etwas wie eine „Bibel-Erweckungsbewegung“?

Bishop: Ja, aber es würde nicht reichen, wenn die Leute mehr in der Bibel lesen. Denn nur dann, wenn gleichzeitig auch die biblische Perspektive vom „Reich Gottes“, die für Jesus so wichtig war, verstanden, verkündigt und praktiziert wird, kann echte Frucht entstehen. Wenn das nicht geschieht, wären vielleicht für eine gewisse Zeit die Kirchen voll – aber das würde nicht die Lebensvorgänge in der Gesellschaft prägen. Wir wissen aus der Bibel und aus der Kirchengeschichte, dass tief greifende Reformationen möglich waren, die ganze Länder umgeprägt haben. Dazu gehört eben, dass die Menschen nicht nur ihre persönliche Errettung im Blick hatten, sondern dass sie tatsächlich wollten, dass Gottes Wille geschieht – und zwar im ganzen Leben, sodass auch die verschiedenen Bereiche der Wirtschaft eine „Heiligung“ erleben.

 

Welche Auswirkungen sind möglich, wenn eine Gesellschaft sich an der Bibel orientiert?

Bishop: Jesus hat in seiner Verkündigung viel vom „Reich Gottes“ gesprochen. Das bedeutet eigentlich „Königsherrschaft Gottes“ und besagt, dass der Wille Gottes gilt und tatsächlich getan wird. Wenn die Menschen einen solchen neuen Lebensstil nach dem Neuen Testament praktizieren, dann hat das enorme Auswirkungen. Es schließt nämlich ein, dass sie sich im Beruf entsprechend verhalten, ihr Vermögen nach biblischen Gesichtspunkten anlegen und auch bei ihrer Steuererklärung diese Werte nicht vergessen; dass sie als Geschäftsleute ihr Unternehmen entsprechend führen und andere Menschen nach den Regeln des „Reiches Gottes“ behandeln. Eine solche Erweckung aus dem Wort Gottes kann dann zu einer wirklich umfassenden Reformation oder sogar Transformation der Gesellschaft führen.

 

Reihe: Artikel-Archiv „Hurlacher Texte“ Nr. 14